Acta Pacis Westphalicae II A 5 : Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 5: 1646 - 1647 / Antje Oschmann
60. [Trauttmansdorff,] Nassau und Volmar an Lamberg und Krane Münster 1646 Oktober 9
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Münster 1646 Oktober 9
Kopie: Giessen 207 nr. 327 p. 1236–1240 = Druckvorlage – Konzept: RK FrA Fasz. 92 X
nr. 1475 fol. 474–475.
Bei den Religionsverhandlungen Festhalten der katholischen Stände an den kaiserlichen Vermitt-
lungsvorschlägen vom 12. Juli 1646 und an Münster als Verhandlungsort; ihre Bitte um die
Interposition der kaiserlichen Gesandten bei den protestierenden Ständen in Münster und in
Osnabrück. Anweisung für einen entsprechenden Vortrag.
Wir haben nicht unterlaßen, Euer Liebden und Excellenz, auch des herrn von
3. dieses uns überschicktes protocoll , die handlung mit denen protestirenden
in puncto gravaminum betreffend, denen allhier versamleten chur-, fürsten
und ständen catholischer religion um ihre erklährung und guttachten zu
communiciern. Nun komt aus hierbeyliegender abschrifft zu vernehmen,
wasgestalten dieselben förderst keinesweges in die von den protestirenden
angezogene interposition der Schwedischen plenipotentiarien einwilligen,
viel weniger in fernere deputation nach Oßnabrück verstehen wollen, im
übrigen aber der meynung seynd, daß die Kayserlichen gesandschafften
gedachten protestirenden nochmahln vorzuhalten und ihre satte erklährung
zu erfordern, ob sie sich den von 12. Julii ausgelieferten compositionsvor-
schlägen so weit bequemen wolten, daß darauf eine fernere handlung mit
hofnung eines fruchtbahrlichen austrags vorgenommen werden könnte, wel-
chenfalls die catholische erbiethig wären, wann die protestirenden jemanden
ihres mittels alher deputiren oder wenigst ihren allhier anwesenden mittreli-
gionsgenoßen so viel gewalts auftragen werden, die weitere und schließliche
handlung in conformität vorangeregter compositionsvorschlägen mit densel-
ben anzutreten und sich allerseits liebenden beschleunigung zu erzeigen.
Damit nun diesen begehren statt geschehe, als seynd wir willens, die
allhiesige aus den protestirenden vor uns zu erfordern und ihnen vorbeschrie-
benermaßen die notturfft vorzuhalten, auch derselben erfolgende erklährung
Eur Liebden und Excellenz, auch dem herrn morgenden tages zu berichten,
worauf sie alsdann, und ehender nicht, gleichergestalt aus denen zu Oßna-
brück anwesenden protestierenden einen ausschuß vor sich zu befördern und
ihnen zu erkennen zu geben haben werden, wie daß wir allerseits verhofft
hätten, sie solten und wurden sich auf die unlängst ihnen vorgeschehene
erläuterung, was es mit deren catholischen ständen ihnen eröfneten erkläh-
rung vor eine bewandnis hätte, solchergestalt haben vernehmen laßen, daß
man in puncto gravaminum zu einer schlußlichen abrede hätte gelangen
mögen. So wäre aber solches nicht beschehen, sondern eine unnöthige
quaestion circa modum tractandi berührt worden, wormit sich die catholi-
schen keinesweges aufhalten zu laßen gedächten, sondern es stünde nunmehr
alles an deme, daß, nachdem catholischentheils in denen von 12. Julii
ausgehändigten compositionsvorschlägen denen protestirenden in ihren
postulatis so viel eingewilliget und nachgeben worden, dergleichen gewißens
halber immer geschehen könnte, auch derentwegen so viel unter den catholi-
schen selbst darmit nicht zufrieden wären, sondern allerhand starcke
beschwehrungen darwieder einwenden thäten, daß darauf sie, protestirende,
vor allen dingen sich klährlich eröfnen und erbiethen thun, ob sie sich … (ut
supra). Sie hätten ja keine ursach, wie sie anderst die catholischen chur-,
fürsten und stände mit und neben ihnen im Reich gedulden, mit dennselben
als ihren mittreichsgliedern friedlich leben und dermahlen dem blutigen krieg
ein ende machen wolten, dieses werck länger aufzuhalten und aniezo erst für
einen partem satisfactionis Sueciae, mit welcher cron man in religionssachen
nichts zu thun, aufzumuzen, also per indirectum einen neuen religionskrieg
anzukündigen. Man wüste wohl, daß nicht aller ständen meynungen auf
solche extremitäten gerichtet wären. Diejenige aber, welche sich und andere
mit dergleichen hizigen consiliis verleiten liesen, möchten sehen, wie es
künfftiger zeit würden verantworten können. Die catholischen wurden sich
einmahl zu solchen sachen nimmer bekennen, sondern den ausgang Gott,
dem Allmächtigen, befehlen müßen.